Seht an,

der Garten wächst



Doch bis dahin war es ein weiter Weg.


Aus Liebe zur Natur entstand der Wunsch, einen Garten zu besitzen. Ich wollte  sozusagen in die Fußstapfen meines Urgroßvaters treten,  der mit Leib und Seele Gärtner war.


Von meinem Wohnzimmerfenster aus schaute ich auf eine wilde Wiese, und träumte lange Jahre davon, sie urbar zu machen.

Als ich endlich - mehr zufällig - den Namen des Eigentümers erfuhr, gab es kein Halten mehr.  Was ich fast nicht zu hoffen wagte, ich konnte die Wiese pachten. Allerdings fiel das Gelände größer aus, als ich es damals haben wollte. Heute wäre ich jedoch froh, wenn es mindestens doppelt so groß wäre, damit ich alle meine Vorstellungen verwirklichen kann.


Nun hieß es in die Händen spucken und frisch an's Werk. Schließlich musste die Wiese abgestochen werden. Für mich eine gewaltige Herausforderung, die mir viel körperlichen Einsatz abverlangte. Irgendwann war es geschafft. Der Garten hatte eine "Form" bekommen. Endlich,  im Frühjahr 1994, konnte ich daran gehen, die Beete mit Pflanzen zu bestücken. Vor meinem geistigen Auge sah ich schon eine üppige Blütenpracht, ach, welch' wunderbare Vorstellung.

Das darauffolgende Frühjahr brachte dann schon eine gewisse Ernüchterung. Ich hatte ja einfach munter drauflos gekauft, ohne irgendwelche Vorkenntnisse. Es sollte von Mai bis Frost durchblühen und so kam alles in die Beete, was mir gefiel. Die bunten Schildchen in den Staudentöpfen versprachen so viel. Es konnte durchgeblüht werden.


Das böse Erwachen und die Ernüchterung kam im darauffolgenden Frühjahr. Etliche Stauden hatten den Winter schlecht oder gar nicht überstanden. Wühlmäuse, bis dato die unbekannten Wesen, hatten sich an vielen Wurzeln gütlich getan, so dass es auch hier zu Totalausfällen kam. Die ersten Rosen im Garten wurden durch Wildverbiß so geschädigt, dass sie als Rosen kaum noch zu identifizieren waren. Wildkräuter wie Giersch, Winde und Hahnenfuß eroberten verlorenes Terrain in Windeseile wieder zurück. Der Boden war hart wie Beton, das Jäten eine Tortur ohnegleichen und der klägliche Rest meiner Pflanzen stellte im Juli das Blühen ein, so dass - bis auf wenige Ausnahmen - eine im wahrsten Sinne des Wortes blütenlose Zeit bis zum nächsten Frühjahr angebrochen war. 

Die Realität hatte mich eingeholt und die Vorstellung eines üppig blühenden Gartens war dem Frust gewichen.

Aber aufgeben? Auf keinen Fall,  jetzt erst recht.


In den Folgejahren mauserte sich der Garten. Es grünte und blühte. Rose um Rose, Staude um Staude zogen in den Garten ein. 

Der Garten wurde zu einem Eldorado für alle möglichen Tiere. 

Am wohlsten aber fühlen sich nach wie vor die Wühlmäuse und auch der Maulwurf hält sich gerne im Garten auf. 


Lehrgeld habe ich einiges gezahlt, aber jetzt stehen im Garten nur die Pflanzen, die mit den recht schwierigen Bedingungen zurecht kommen. Mit einem schweren lehmig/tonigem Boden, durchsetzt mit Steinen in allen Größen, teilweiser Staunässe bei den hier üblichen regenreichen Sommern. Nichts desto trotz blühen und wachsen sie mehr oder weniger üppig und meine alten Rosen haben sich zu ansehnlichen Sträuchern entwickelt, auch wenn sie ab und an von Rehen angeknabbert werden.


Aus dem Durcheinander der Farben haben sich im mittleren Gartenbereich Farbbeete entwickelt, an deren Zusammenstellung immer wieder gefeilt wird. Eine besondere Vorliebe habe ich im Laufe der Jahre für Purpurtöne entwickelt, die ich mit meinen alten Rosen in eben dieser Farbe voll ausleben kann. Aber auch andere Farbthemen kommen nicht zu kurz. So gibt es ein rotes Beet, Pflanzungen in

zartem Rosa, Pfirsich  und Apricot, kombiniert mit schwarzem oder grauem Laub oder aber mit einem tiefen, satten Rot, das etliche Rosen vortrefflich zur Schau tragen. 

Der vordere Bereich des Gartens aber gehört hauptsächlich meinen wunderschönen "Alten". Hier können sie sich in Kombination mit Kräutern als Begleitpflanzen, hier vor allem Minzen, voll entfalten.


Das letzte Drittel des Gartens gehört wegen der umgebenden Waldbäume eher den Azaleen und Rhododendren in Begleitung von Funkien und Farnen, zumal Sonnenlicht bei voll belaubten Bäumen eher rar ist.  Doch ganz frei von Rosen ist auch dieser Bereich nicht. Hier kommen Wildrosen mit dem  anmutigen Charme ungefüllter Blüten  zum Einsatz.


In jedem Bereich des Gartens findet man kleine Sitzecken oder auch ein schönes Dekoelement, immer angepasst an die wildhafte Umgebung, in die sich der Garten einfügt.